Der Zeichner, der Maler, der Autor, der Erfinder und der Humorist

– Ich wuchs unter Kühen, Schweinen, Pferden, Hühnern, Spælschafen, Agronomen aus Østerdalen und einem jähzornigen Schweißer aus Solør auf. Das war an der Landwirtschaftsschule Storsteigen in Alvdal, wo mein Vater Rektor war.
So beschreibt Kjell Aukrust selbst seine Kindheit und sein Aufwachsen in Alvdal in einem seiner Bücher. Mit diesem Rüstzeug und dieser Inspiration wurde Kjell einer unserer beliebtesten Künstler: Zeichner, Schriftsteller, Maler, Erfinder, Humorist.
Eigentlich ist er ja Zeichner, wird über Kjell Aukrust oft gesagt. Das ist gut zu verstehen. Seine lebendigen Striche aus dem Alvdal seiner Kindheit oder aus Italien und die reiche Figurenwelt, die er im Grenzbereich zwischen Fiktion und Wirklichkeit geschaffen hat, haben ihn zu einem unserer beliebtesten Zeichner gemacht.
Kjell Aukrust wurde bereits mit 16 Jahren an der Staatlichen Handwerks- und Kunstgewerbeschule in die Zeichenklasse aufgenommen. »Kjell Aukrust ist oder soll Maler werden – er geht auf eine Malerschule. Lassen Sie ihn herein«, schrieb Henrik Sørensen 1936 an den Rektor der Schule. 1939 wurde eine seiner Zeichnungen für die Herbstausstellung angenommen. Kjells Zeichnungen sind in zahlreichen Zeitschriften und Büchern zu finden. Risen i Jutulfjell mit Text von Olav O. Aukrust und Illustrationen von Kjell Aukrust wurde 1949 zum schönsten Buch des Jahres gekürt. Damit nahm seine Karriere als Zeichner Fahrt auf. Unter anderem erhielt er den Auftrag, die Volksmärchen von Asbjørnsen und Moe zu illustrieren.
1958 debütierte er als Schriftsteller mit dem Buch Simen aus dem Kindheitsmilieu von Alvdal. Kurz darauf folgten die Fortsetzungen Bror min und Bonden. Bei Kjell Aukrust hängen Text und Zeichnung eng zusammen. Kjells Zeichnungen sind daher Miniaturen, Zeichnungen auf einer Buchseite oder noch kleiner.
Die Figurenwelt in Flåklypa Tidende wurde, bevor sie in Buchform erschien, in einer Humorreihen in Forsvarets Mannskapsavisa vorgestellt.

Kjell Aukrust sollte eigentlich Maler werden. In reiferem Alter wurde er es schließlich. In seinen letzten Jahren verbrachte er immer mehr Zeit mit dem Malerpinsel. Zunehmend melancholisch und experimentell im Umgang mit dem Spiel des Lichts über Natur und Häuser entwickelte er seine weniger bekannte künstlerische Seite.
In den ersten Jahren seiner Karriere war Kjell Aukrust Maler, und 1945 debütierte er auf der Herbstausstellung mit »Barna i skogen«. Als die Staatliche Handwerks- und Kunstgewerbeschule und die Kunstakademie 1942 wegen des Krieges geschlossen wurden, zog Kjell wieder nach Alvdal, um zu malen. Während des Krieges war er außerdem zwei Sommer lang in Røros und im Bøverdalen und malte dort zusammen mit mehreren jungen Künstlern.
Doch das Zeichnen wurde zu seiner Hauptbeschäftigung. 40 Jahre später, in den 1980er-Jahren, nahm er den Malerpinsel wieder zur Hand. Deutlich über hundert Gemälde entstanden in dieser letzten Periode, die meisten in Acryl und Aquarell.
Die Gemälde aus dieser Zeit unterscheiden sich von den Zeichnungen, sowohl inhaltlich als auch formal. Doch was das Format betrifft, bleibt Kjell Aukrust sich treu. »… ein Monumentalmaler zu sein, verspürt er keinerlei Drang«, schrieb Finn Jor in dem Buch Galleri Aukrust. Wie in den Zeichnungen sind Ausschnitt und Präzision das Wichtigste. Viele der Motive stammen aus Italien.

Kjell Aukrust betrachtete sich wohl am ehesten als bildender Künstler und vor allem als Zeichner, doch bereits 1958 debütierte er als Schriftsteller mit dem Buch Simen. Es wurde zur Sensation des Jahres und in einer Auflage von weit über 100.000 Exemplaren gedruckt. Simen, das vom Aufwachsen in Alvdal handelt, begann als kurze Texte in Dagbladet. Simen, Bonden und Bror min bilden die Alvdal-Trilogie.
Kjell Aukrust war während seiner gesamten aktivsten Berufslaufbahn mit Dagbladet verbunden; bereits 1949 erschien in Dagbladet „Hjem fra Paris med 18 hasselnøtter“. 1946 kam Kjell zur Mannskapsavisa, um seinen Wehrdienst abzuleisten. Er begann als Zeitungsausträger und Klischee-Archivar, fing aber schon bald an zu zeichnen und zu schreiben, und in der Mannskapsavisa entstand das Flåklypa-Universum – zuerst als „Våre duster“, dann „Folk og fe“ und danach „Flåklypa Tidende“.
1966 erschien das Buch Je og 'n Solan und 1977 Ludvig. Solan und Ludvig sind Kjells Alter Egos: „'n Ludvig entstand in mir, nachdem ich 50 geworden war. Der lebensfrohe und selbstsichere Angsthase war etwas, das schon vorher in mir wütete.“ Die meisten Menschen erkennen sich in Kjell Aukrusts Erzählungen wieder.
Er zeichnet und schreibt gleich gut. Text und Zeichnungen stützen einander, und er spart mit Worten. Er schreibt kurze und ausdrucksstarke Sätze. Unter dem milden und warmen Humor ahnen wir den Ernst. Man stimmt Finn Jor leicht zu: „Je öfter man Kjell Aukrusts Bücher liest, desto mehr ist man überzeugt, dass er vor allem ein Lyriker ist“.
NRK rief im Herbst 2012 die Menschen dazu auf, für Norwegens lustigstes Buch zu stimmen, und die Leser folgten dem Aufruf. Kjell Aukrusts Alvdal-Trilogie, Simen, Bror min und Bonden, wurde zu Norwegens lustigstem Buch gekürt.
